Ritter zeigt euch!

Ritter zeigt euch!

Hausübung von Sophie H., Jänner 2017

Was vermittelt Gurnemanz Parzival als ritterliche Tugenden? Was sagt er über die Minne und die Frauen?

Gurnemanz vermittelt Parzival, dass er „die Scham“ nicht verlieren solle. Denn die Scham ist ein Indikator dafür, dass man noch Wert und Würde verspürt. Würde man diese nicht kennen, so würde man auch keine Scham kennen.

Er fordert ihn dazu auf „edel“ zu sein, dem Armen und Schwachen Hilfe zu leisten sowie sich selbst treu zu bleiben und nicht zuletzt Güte und Demut an den Tag zu legen.

Sollte ein Mann in Not geraten, so soll Parzival auch hier Verständnis und Hilfe anbieten. Als Gegenleistung erzählt er ihm von Gottes Gnade, die ihm dann zuteil werden würde.

Eine weitere Tugend ist, so Gurnemanz, mit Maß und Ziel zu leben. Er soll weder verschleudern, noch gierig sammeln.

Nicht ehrenvoll wäre auch zu schwatzen, ohne überlegt zu haben, wem man welche Fragen und Antworten stellt und gibt.

Außerdem spricht Gurnemanz von Mitleid, Verstand und dem Ehrenwort.

Was die Frauen betrifft, so rät er ihm zur Sauberkeit, angenehmem Aussehen, Mut und guter Stimmung.

Jeden Tag und ohne Ausnahme soll Parzival die Frauen ehren, sie „hochhalten“, also, um es mit den heutigen Worten auszudrücken, ein Gentleman sein.

Welche dieser im Text angesprochenen Tugenden haben noch heute eine gewisse Gültigkeit? Mit Recht?

Wenn ich es mir recht überlege, dann bekomme ich den Eindruck, dass das Ansichtssache ist. Denn da gibt es die Rüpel auf der Straße, die das Gefühl vermitteln, keine der oben genannten Tugenden spiele noch eine Rolle und dann sind auch Menschen anzutreffen, die einem genau das Gegenteil beweisen und dann umso mehr aus der Masse herausstechen.

Es sieht so aus, als würde ich diese Frage also nur aus persönlicher Sicht beantworten können.

Ich finde, dass alle genannten Tugenden eine Gültigkeit besitzen sollten.

Jemandem behilflich zu sein, der gerade schwächer und „ärmer dran“ ist, als man selbst, kann unmöglich aus der Mode gekommen sein. Spätestens dann, wenn man selbst derjenige ist, wird einem klar, dass wir besser bestellt wären, würden wir der Hilfsbereitschaft die nötige Gültigkeit geben.

Güte und Demut sind auch oft von Vorteil und lediglich Schwestern der Hilfsbereitschaft. Würde ich denn sonst die Not des anderen sehen ohne eine gewisse Güte? Und wie lange würde es wohl dauern in Ermangelung von Demut, bis ich großspurig auf die Nase fallen würde, da weder ich noch sonst jemand perfekt ist?

Und wenn man dann doch wenig demütig war, infolge dessen eines Besseren belehrt wurde und wie ein getretener Hund seine Wunden leckt, was wäre da wohl besser? Dass mir mein Gegenüber trotz meiner Dummheit hilft oder dass ich eine lange Zeit unter diesem Fehler zu leiden habe? Ich denke, die Frage ist beantwortet.

Mit Maß und Ziel zu leben wird immer aktueller. Sowohl mit den begrenzten Ressourcen, die uns immer bewusster werden, wie auch das Geld, das man, ohne gut zu wirtschaften, durch die Finger rieseln sieht. Und ein nicht unwesentlicher Gedanke ist noch: Es macht einen beileibe sympathischer, kein geiziger Dagobert oder kein prahlerischer Trump zu sein (…obwohl!??).

Mir ist klar, dass im Zeitalter vom „gläsernen Menschen“ auf Facebook, Instagramm, Whatsapp und Konsorten von überlegten Fragen und Antworten zu reden gewagt ist. Vielleicht umso mehr, würde mir gefallen, an der Fassade eines Menschen erst kratzen zu müssen, um seine wertvollen Gedanken zu erfahren und sie nicht mit einem nassen Fetzen ins Gesicht geschleudert zu bekommen, wenn ich mich eines dieser Portale bediene. Kurz gesagt: Wir wären alle gut beraten, würde Gurnemanz uns das „Reden mit Verstand“ (also nicht mein gesamtes Innenleben vor aller Welt ausbreiten, bzw. Shitstorms, etc…) lehren.

Ein Ehrenwort. Was für ein schönes Wort! Was es doch alles beinhaltet! Ehre, ein Versprechen, Würde, ein Mensch mit Ernsthaftigkeit, mit Liebe zu seinen Werten…muss ich wirklich erklären, warum uns das heute guttäte?

Und dann noch das Thema Frauen.

Dass heute Jungs und Männer gewaschen und hübsch anzusehen sind, ist unbestritten! Ein großer Teil ist so sehr mit dem eigenen Aussehen beschäftigt, dass frau sich manchmal fragen muss, wer ist hier die Tussi? Aber ich will nicht polemisch sein – ist schließlich besser als das Gegenteil.

„Und haltet stets die Frauen hoch…“, sagte der Lehrmeister.

Ich weiß nicht, wie sehr ich ins Detail gehen soll. Soll ich mich genau umsehen? Weltweit? Nach Amerika, wo Männer und Frauen einen Präsidenten wählen, der sich zB. Frauen gegenüber abschätzig gibt. Oder soll ich in Länder schauen, die Frauen ganz entsetzlich unterdrücken und oft sogar misshandeln? Oder soll ich mich im Freundeskreis umsehen, wo ich dem anderen Geschlecht öfter die Tür aufhalten muss, als umgekehrt?

Aber dann taucht doch in einer Masse von Gleichgesichtigen, in diesem Falle männlichen Menschen, einer auf, der frau das Gefühl gibt, Manieren zu haben und das ist eines Menschen würdig.

Alles zusammengefasst: Ritter zeigt Euch!

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