Kinobesuch 8ab „Das radikal Böse“

Kinobesuch 8ab „Das radikal Böse“

Unter dem Vorwort des Zitats von Primo Levi, wagt Stefan Ruzowitzky in „Das radikal Böse“ einen anderen Blick auf die Verbrechen des nationalsozialistischen Massenmords, insbesondere im Hinblick auf die Massenerschießungen in den osteuropäischen Gebieten. Ohne die Taten zu entschuldigen, versucht er das Geschehene in Ansätzen zu verstehen und geht der Frage nach, wie normale Menschen zu Verbrechern und Massenmördern werden können.

Eine Schülerin beschreibt ihre Eindrücke vor und nach dem Kino-Besuch wie folgt: Nachdem wir das Votivkino am 14. November 2014 nach der Vorstellung verlassen hatten, fragte ich viele meiner Klassenkollegen, was diese vom Film gehalten hatten. Zu meiner großen Überraschung haben einige geantwortet, dass sie ihn als „nicht gut“ oder sogar „langweilig“ empfunden hatten, mit dem Grund, dass der Film von Stefan Ruzowitzky einfach kein neues Wissen vermittelte, die NS-Zeit ein zu „durchgekautes Thema“ wäre. Ich war da anderer Meinung.

Ich persönlich fand, dass der Film eben nicht „das übliche Thema“ der NS-Zeit behandelte. Es ging hier vor allem um die „deutschen“ Soldaten. Was sie anfangs von ihren Befehlen gehalten haben, wieso nicht alle gleich gegen diese revoltiert oder sie einfach abgelehnt haben, wieso so „normale“ Menschen kaltblütig die schrecklichsten Verbrechen begangen und auch warum keiner den Antisemitismus hinterfragt hat. Es ging um die detaillierte Anschauung der Psychologie eines (NS-)Soldaten, und dies ist ein Aspekt, den man sich meinen Erfahrungen nach eher selten im Unterricht anschaut. Die Gründe, die die Soldaten damals hatten, so zu handeln, wie sie nun mal gehandelt haben, wurden uns durch psychologische Experimente dargelegt. …
Anhand des Asch-Experimentes, wurde gezeigt, wieso die Soldaten ihre Befehle befolgten. Wenn bestimmte Personen (hier: Hitler und die NS-Regierung) eine bestimmte Wahl über ein Thema treffen, sei es nun die falsche oder die richtige, und dann einem Individuum die Frage gestellt wird, was für ihn „das richtige Urteil“ sei, passt er, ohne seine eigene Meinung mit einzubeziehen, sich in der Regel der Entscheidung der anderen an. Die Soldaten glaubten, da die Befehle von ganz oben kommen, das Richtige zu tun. Und da sie niemand für ihre Verbrechen bestrafte, konnten sie nicht anders als denken, dass sie tatsächlich, beim Töten unschuldiger Menschen, das einzig Gute taten. Diejenigen, die ihr Handeln doch hinterfragten, und spürten, dass in ihrem angeblich gerechten und verdienten Töten, doch etwas Falsches war, wurden krank, sowohl psychisch als auch physisch und man fand ihnen eine andere Beschäftigung, wo sie von den anderen anschließend erniedrigt wurden.
Das Rorschach-Experiment stellte aber wiederrum dar, dass die Mörder eigentlich ganz normale Menschen waren. Die Soldaten, die Tag für Tag unzählige Menschen grundlos ermordeten (obwohl es aus ihren Augen ja nicht grundlos war), waren banale Familienväter oder einfache Männer, die ihr grausames Töten damit begründeten, dass sie damit nur ihrem Land und ihrer Zukunft einen Gefallen erwiesen.
Einer der Interviewten in „Das radikal Böse“ war ein französischer Priester, Père Patrick Desbois. Ich fand den psychologischen Aspekt einer seiner Aussagen sehr interessant. Und zwar der, dass er es hasse, wenn Menschen meinen, dass Dinge wie Genozid „unmenschlich“ sind, da sie eigentlich vom Menschen erfunden und als erster ausgeübt wurden. Für ihn (und seiner Meinung schließe ich mich ebenfalls an) ist ein Genozid zutiefst menschlich. Weiters erwähnt er auch, dass man die Verantwortung der Massenermordungen im Zeitraum 1939-1945 Hitler zuschrieb. Was aber die meisten anscheinend nicht berücksichtigen bzw. berücksichtigt haben, ist, dass es bewiesen wurde, dass manche Soldaten/Bürger sehr wohl gegen die NS-Bewegung gegangen sind. Dies beweist, dass man auch „nein“ sagen konnte. „Nein“ zum Nationalsozialismus. Jeder, der also unschuldige Menschen getötet hat, hat sich selbst die Verantwortung und damit auch die Schuld zuzuschreiben, da sie stets die Wahl hatten, ihre Befehle nicht zu befolgen.
Zum Zitat von Primo Levi, welches wie folgt lautet:“Es gibt Ungeheuer, aber sie sind zu wenig, als dass sie wirklich gefährlich werden könnten. Wer gefährlich ist, das sind die normalen Menschen“, gibt es eigentlich von meiner Seite nicht viel zu sagen. Ich finde, dass das Zitat sehr viel über die Menschen und unter anderem auch die NS-Zeit aussagt. Mit anderen Worten, sagt es aus, dass es nicht viele Menschen wie Hitler, „wahre Ungeheuer“ bzw. die „echten Gefährlichen“ gibt. Diese gefährden die Menschen alleine, weil sie „Führerfiguren“ sind. Sie werden erst dann gefährlich, wenn sie Anhänger bekommen, die ihre Befehle austragen und sich ihrer Ideologie anpassen. Ein böser Mensch kann erst dann böse Taten vollbringen, wenn ihn andere, normale Menschen, dabei unterstützen.

Laetitia , 8.B

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