m a u t h a u s e n – eine ode an das jetzt

m a u t h a u s e n – eine ode an das jetzt

Bilder vom Lehrausgang findest du hier.

Am 5. Dezember, passenderweise am Tag des Krampus, fuhren die beiden 8. Klassen für einen Tag mit dem Bus nach Mauthausen. Ich wusste nicht, was ich erwarten sollte. Doch als ich erfuhr, dass Mauthausen auch ein Dorf ist und wir am ehemaligen nahegelegenen Konzentrationslager ankamen, war ich irgendwie verwundert. Wenn man im Geschichteunterricht davon lernt oder Bilder sieht, scheint man zu meinen, die Grausamkeit dieses Ortes zu erkennen, doch in echt sieht alles ganz friedlich aus. Zu friedlich. Wie kann das Gras an so einem Ort noch grün sein?

Bei eisigen und regnerischen drei Grad stiegen wir aus. In den nächsten zwei Stunden erlebten wir in Kleingruppen von 10 Schülern und einem Vermittler einen Rundgang durch Mauthausen. Es waren wirklich nur zwei Stunden, doch mir kam es vor wie eine kleine Ewigkeit, die Zeit schien in den verlassenen Gemäuern still zu stehen.

Wir alle hatten mehrere Pulli-Schichten an, trugen übergroße Schals, Handschuhe und Hauben, dennoch war es bitterkalt. Die Kälte flog umher und ummantelte uns gnadenlos. Wir waren fassungslos, nach kurzen zwei Stunden waren wir der Überzeugung zu erfrieren. Wie haben sich denn dann die Häftlinge gefühlt, die zu jeder Jahreszeit bloß mit einem gestreiften Pyjama und Holzpantoffeln gekleidet waren und trotzdem den ganzen Tag im Steinbruch arbeiten mussten und tyrannisiert wurden? Das Wetter passte perfekt und unterstrich die grausame Realität.

Komischerweise machte Mauthausen das Konzentrationslager für mich persönlich noch surrealer. Wenn man einmal vor Ort gewesen ist, in den kleinen Baracken gestanden, die Gaskammern gesehen und die Zeitzeugenberichte gelesen hat, wurde es mir nur noch unbegreiflicher weshalb und wie Menschen ein solches Verbrechen erdulden konnten. Wie konnten die Schutzstaffeln an jenem Ort Juden so erniedrigen, wie konnten sie solch ein sadistisches Benehmen vor sich selbst rechtfertigen? Und viel schlimmer noch, wie konnte das in einem Land für eine Zeit lang ein „Normalzustand“ werden?

Jeder Schritt, den ich in Mauthausen ging, machte mich nachdenklich. Genau da, wo ich entlang ging, stand auch mal ein Jude, mehr als einer und sie erlitten alle Todesqualen. In diesen Kellern wurden sie brutal wie Ungeziefer vernichtet, die Fliesen, die ich sah, dieselben haben sie damals auch gesehen. Und während sie damals mit eisernem Willen nur noch an ihre Zukunft dachten, denken wir nun nur noch an ihre Vergangenheit.

Es gibt ein Buch, das heißt „Das ganz normale Böse“, dieser Titel umschreibt für mich treffend die Geschehnisse in Mauthausen. Wir brauchen uns keine Horrorfilme anzusehen oder Krimis zu lesen, wenn wir wirklich grauenhafte echte Geschichten hören wollen, müssen wir nur hinhören. Wir erfuhren von Generälen, die es ihren Söhnen als Geschenk erlaubten zwei Juden zu töten, andere die aus Jux Arbeiter im Steinbruch von der höchsten Treppe in die Tiefe springen ließen. Wie konnten Menschen so barbarisch werden, waren das überhaupt noch Menschen? Wie schnell wurde es für diese Soldaten normal zu töten? Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun, sind wir nicht alle gleich?

Es ist leicht eine große Zahl im Geschichteunterricht auswendig zu lernen, ohne darüber nachzudenken, doch am 5. Dezember fühlte ich das Gewicht aller Gefallenen des Konzentrationslagers. Ein Raum in der Ausstellung des Museums, welches wir ebenfalls kurz besuchten, blieb mir besonders in Erinnerung. In jenem waren einige schwarze Platten wie Tische aufgestellt, die beinahe den ganzen Platz einnahmen. Auf ihnen stand jeder einzelne Name jedes gefangenen Juden des Konzentrationslager, die Schrift war sehr klein und somit erblickte man ein Meer aus Namen, das nicht zu enden schien. Jeder Einzelne zählte.

Der Ausflug nach Mauthausen war in keinster Weise wie irgendein anderer. Einmal hin zu fahren genügt vollkommen, doch es ist notwendig, um sich des Ausmaßes des zweiten Weltkrieges bewusst zu werden. Die Geschichte sollte uns lehren dieselben Fehler nicht noch einmal zu wiederholen und vorallem aufmerksam zu bleiben. Kein Konzentrationslager ist über Nacht aus dem Boden geschossen, die Gefahr hatte sich langsam angebahnt. Und genau so ist es auch im heutigen Weltgeschehen. In Mauthausen ist mir bewusst geworden, wie schwer es gewesen sein musste, sich gegen ein solches Regime aufzulehnen als Einzelperson, schier unmöglich. Wir, als Menschheit, dürfen es nie wieder so weit kommen lassen.

Schließlich ist das nicht lange her, meine Urgroßeltern können mir noch vom Krieg berichten, doch ich möchte nie in der Lage sein meinen Urenkeln Kriegsgeschichten zu erzählen.

– von Lena Sophie Königshofer, 8B

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